VW-Transporter
– Helfer in Not und Gefahr
Dieser
eingängige Volkswagen-Werbeslogan aus den 60er Jahren ging uns im
Frühling 1992 während des Bosnien-Krieges nicht mehr aus dem
Kopf.
Als aktive Mitglieder des 1987
gegründeten Vereins "BulliKartei,
Freunde des VW-Transporters bis '67" hatten wir
nämlich schon eine Reihe von Treffen für klassische Bullis
organisiert - und dabei erkannt, dass sogar alte VW-Busse immer
noch viel mehr sind als nur Ausstellungs- oder Schlafwagen. Warum
sollten die über Jahrzehnte in Behördenhallen geparkten
Ex-Einsatzfahrzeuge, die unsere mobilen Museums-Veranstaltungen
illustrierten, nicht noch einmal im Ruhestand ihre legendäre
Nützlichkeit beweisen ?!
So entstand –
gewissermaßen als "Schnapsidee" am Rande des 10. Bulli-Treffens
in der Transporterstadt Hannover – die Vision einer
kleinen motorisierten
Hilfs-Bereitschaft mit damals schon historischen
Fahrzeugen. Unser humanitärer Enthusiasmus wurde allerdings nur
noch von gleichzeitiger Naivität übertroffen...
Natürlich stellte sich bald
heraus, dass es etwas mehr braucht, als nur Tatendrang und
zuverlässige Bullis – das Ziel, ein Kinderkrankenhaus
in Sarajevo mit Hilfsgütern zu unterstützen, war wegen
der sich verschärfenden Kriegshandlungen im Herbst 1992 für
unsere spontan gebildete "Non-Government-Organization" auch mit einem
klassischen Bulli-Konvoi nicht erreichbar.
Zum Glück konnte ein
Vereinsmitglied durch berufliche Vermittlung ein Alternativziel bieten,
hatten wir doch mit dem Sammeln von Hilfsgütern bereits begonnen!
Ende Dezember 1992 fuhr dann also der erste Hilfstransport
(ziemlich überladen) unter dem Motto "BULLIS BRINGEN
FREUDE..." über Österreich und Ungarn nach
Rumänien. Auf dem kleinen Hof der neu gegründeten
Caritas-Einrichtung in der Stadt Satu Mare stapelten sich bald (bei
minus 20 Grad Celsius) die gespendeten Kuscheltiere, Kleidersäcke,
Schulsachen, Sanitärartikel, Medikamente usw.: ein gutes
Gefühl - für Bedürftige wie Helfer
gleichermaßen.
Überwältigende
Gastfreundschaft bei
Caritas Satu Mare einerseits und die erkennbare Not der
Menschen andererseits überzeugten uns (neben dem teilweise
abenteuerlichen Spaß, den wir unterwegs hatten), dass unsere
"einmaliges" Projekt damit wohl nicht beendet sein konnte.
Waren es zunächst die
Mitglieder der BulliKartei, die uns beim Sammeln der Hilfsgüter
und Sachspenden beistanden, erweiterten wir ab 1993 unser Team und den
Kreis der "ständigen Sponsoren" um die Schüler, Eltern und
Lehrer der Albert-Schweitzer-Schule sowie die katholische
Dreifaltigkeits-Kirchengemeinde in Frankfurt am Main und entwickelten
uns ab 1995 zu einer vereinsunabhängigen Initiative von
VW-Bus-Fahrern aller Transporter-Generationen. Bis heute waren
wir - trotz nicht immer einfacher Grenzübertritte -
inzwischen zwölfmal bei Caritas in Satu Mare und beobachteten
dabei, wie sich dort (auch durch unsere Hilfe) vor allem die sozialen
Projekte positiv weiter entwickeln.
"Zur Abwechslung" ging es '94
für UNICEF Sarajevo nach Split/ Kroatien und '95 für
die EU-Administration nach Mostar/BiH (wo wir einen Kontakt
zur dortigen Caritas-Station herstellten und dann 1996 ein zweitesmal
Hilfsgüter mitbrachten).
Aus Anlass des fünfzigsten
Geburtstages des VW-Bullis setzten wir im April 2000 mit einem
Oldie-Konvoi nach Sarajevo unsere humanitären Aktionen fort: Durch
Vermittlung von ASA-Auto, dem ortsansässigen
Volkwagen-Importeur, konnten wir das Rote Kreuz, ein
Flüchtlingsprojekt und den Sport- und Kulturverein in Vogosca
(hier wartet das im Bosnienkrieg geplünderte Volkswagen-Werk
auf einen Neubeginn) mit dringend benötigten Sach- und Geldspenden
unterstützen. Intensivierte menschliche Kontakte in
Bosnien-Herzegowina führten zu weiteren Transporten nach
Sarajevo und Gorazde; hier versorgten wir gerade in den letzten drei
Jahren u.a.ein Waisenhaus, einen Kriegsinvaliden-Sportverein und eine
Behinderten-Selbsthilfegruppe mit den unterschiedlichsten
Hilfsgütern.
Kleine Geldspenden,
Flohmarkt-Verkäufe und Modellbulli-Sondereditionen
ermöglichten uns im Laufe der Zeit, gut erhaltene VW-Busse der
dritten Generation zu kaufen und "im Dienste der Menschlichkeit" sowohl
nach Rumänien wie Bosnien-Herzegowina zu übergeben;
zweckdienlich eingerichtete Krankentransportwagen, Kombis und
Pritschenwagen (neben verschiedenen Volkswagen- und Audi-PKW, die uns
das damalige Autohaus Lottermann aus Bad Camberg kostenlos
überließ). Wo es sinnvoller erschien, setzten wir aus Zeit-
und Zuladungsgründen nicht immer nur die klassischen T1-Bullis,
sondern auch Anhänger und VW-Busse der späteren Baujahre als
"Hilfs-Transportler" ein; zumeist unsere Alltagsfahrzeuge, deren
Fahrtkosten wir selbstverständlich stets selber finanzierten
- wie auch die Verpflegungs- und
Übernachtungskosten: Eine Regel, die für alle der 23
Aktionen 1992-2004 bisher gleichermaßen galt. Die
Team-Zusammensetzung erfolgt mittlerweile nach einer eingespielten
Methode; neben der Projektleitung (ausgerüstet mit
"Schmiermitteln“ aller Art für reibungsarme Grenzübertritte)
sind es vor allem "geniale Schrauber", die Technikdefekte allein durch
Handauflegen meistern und „Medizinmänner“ sowie "Bodyguards" zur
Eigensicherung, die zum Gelingen einer Aktion beitragen.
Das Motto "BULLIS BRINGEN
FREUDE....." soll schließlich auch für die Helfer
gelten –
und in diesem Sinne ist im Sommer
2004 Edinburgh / Schottland das nächste Ziel (das wir
zusammen mit „einheimischen“ Bullifahrern ansteuern): Der dortige
Kinderwohlfahrtsverein Daisy Chain Trust freut sich auf unsere
(finanzielle) Unterstützung!
Michael Steinke
[Home]
03.06.2004
(c) Bullis bringen Freude